Tod

Hallo Tod

Dieser Tod, wer ist das eigentlich. Ich habe ihn kürzlich kennengelernt. Unser Treffen war nicht geplant und nicht gewollt von mir, er war einfach plötzlich da. Ich habe versucht freundlich zu sein, obwohl ich ihn nur vom Hörensagen kannte und auch viel Schlechtes über ihn gehört hatte. Aber ich wollte mir selbst ein Bild verschaffen. Er hatte ja bestimmt einen Grund zu kommen, auch wenn er nicht eingeladen war. Und so habe ich ihn mir angeschaut und dem Tod die Hand gegeben. Und gewartet was passiert. Er hat dann sein Werk getan. Das was er immer tut, wenn er kommt: Eine Tür aufmachen für eine Seele, die auf Reisen geht. Sterben sagen wir dazu. Ich finde Reisen schöner. Sterben hat bei den meisten Menschen einen unangenehmen Beigeschmack. Reisen verbinden wir hingegen mit etwas Angenehmen. Diesem Reiseprozess habe ich dann beigewohnt und der Seele, die ich so sehr mochte und die der Tod mitnehmen wollte, auf Wiedersehen gesagt. Abschied nehmen fiel mir in diesem Moment nicht so leicht, wenn der Tod auf Reisen schickt ist das so final und die Reise führt weg von der Erde. So sagt man zumindest. Eigentlich weiß ja niemand so genau wo es hin geht. Vielleicht ist das auch gar nicht wichtig für uns zu wissen. Die reisende Seele weiß es. Und ich habe ein Gefühl. Ein schönes Gefühl, dass die Seele, die bis eben noch mein bester Freund war auf der Erde, nun gut aufgehoben ist. „Alles Gute, Liebe, Beste für dich und deine Reise“, denke ich.

Irgendwie vertraue ich dem Tod. Er hat etwas Liebevolles und Weises an sich. Ich werde ihm sicher wieder begegnen. Früher oder später. Spätestens bei meiner Reise weg von der Erde. Ich habe schon gebucht, Datum offen. Diese letzte Reise steht uns ja allen bevor. Komisch eigentlich, dass wir darüber so wenig wissen (wollen). Das Leben ist wunderschön, aber der Tod gehört genauso dazu zum Leben. Leben ist Tod und Tod ist Leben. Wir blenden ihn nur meist aus, den Tod. Vielleicht weil er so oft als uneingeladener Gast auf unserer Lebensfeier auftaucht und immer so finale Entscheidungen trifft, mit denen wir, die er nicht mitnimmt, dann hinterher umgehen müssen.

Du hast einen krassen Job, Tod. So viele Menschen mögen dich nicht. Aber einer muss es ja machen und der „Final-Reisleiter“ sein. Ich spreche dir hier mal meinen Respekt aus. Ich gehöre zwar auch zu denen, die damit erstmal umgehen müssen, dass du da warst, aber du an sich bist gar nicht so unsympatisch. Ich finde dich sogar ganz interessant. Und ich werde mich ein bisschen mehr mit dir beschäftigen in nächster Zeit. Eines habe ich schon für mich festgestellt: Du, der Tod, bist auf jeden Fall nicht tot, sondern sehr lebendig. Lebendiger Tod, nun habe ich deine Bekanntschaft gemacht. Wir sehen uns.

 

Und eines kann ich aus meiner Erfahrung von Herzen empfehlen im Zusammenhang mit dem Tod: Atmen. Ateminduzierte Trance ist ein Weg mit den Wellen, die der Tod in unseren Leben hinterlässt umzugehen. Ich habe es selbst erfahren und auch Teilnehmer (Lichtatmung) haben davon berichtet, dass in einer Atemsitzung ein Raum entstehen kann, sich zu verabschieden und mit Trauer und anderen Gefühlen umzugehen.

 

Vidya Ulbricht

Ist in New Delhi, Indien, geboren und begann als Kind mit Meditation (TM). Sie ist Atemtherapeutin, Yoga-, Meditationslehrerin und ausgebildet in verschiedenen schamanischen Traditionen und alternativen Heilmethoden. Neben der Atemtherapie/Lichtatmung liegt ihr die Arbeit mit Frauen (Wild Woman Dance) sehr am Herzen. Vidya ist studierte Indologin (MA) und professionelle Online Marketing Managerin.

Comments:

  • Katja

    1. Februar 2019 at 14:42

    Liebe Vidya, Du hast in Deinen Worten und Beschreibungen so. Vieles angesprochen, wie es sich ab einem Todestag rührt und berührt!

    Um mit dem Wunderbaren, täglich lebendigen und so selbstverständlich oft unbemerkten ‚Hauch des Lebens‘ zu beginnen – JA!
    In der Atmung und ihren tranformierenden Formen gehen wir Alles durch, was sich im Leben so „tödlich“ beklemmend manifestieren kann … Und sich in absolut lebendige, klare und gereinigte Energie verwandeln kann.

    Um die gemischten Gefühle zu Tod und Sterben anzutippen – ich finde sterben (egal wovon) scheußlich, es ist keine Reise es ist kurz oder länger ein grausamer Prozess. Und dennoch findet die Kraft der Liebe, der Versöhnung soviel geteilten Raum, Respekt, Reflexion und Würde – wenn man die Rolle der Begleitung übernimmt. … Und ich weiß nur, die Würde, die Du gibst, stahlt wie der Dank des Lebens auf Dich zurück. Oft, wenn Du es am Meisten brauchst, und am Wenigsten erwartest.

    Glaube, es ist etwas Anderes, sich auf die Sterbegleitung einzulassen – als „aus dem (geteilten) Leben gerissen“
    zunächst in Ungewißheit, undefinierbare Leere zu spüren,, und dann die Nachricht Tod im Verbindungs-Briefkasten zu haben.

    Tod ist Erlösung für Leidende, Tod ist Ewigkeit für Liebende (und die Qualität vergeht nie).
    Tod schickt die ‚Hiergebliebenen‘ auf eine Reise. Neben dem Handeln, wenn man involviert ist, auf den Weg den man nicht mehr greifbar nah, aber mehr und mehr spürbar an Einheit, für immer geteilt und lebendig in sich trägt.
    Keine beugende Trauer, sondern aufrechte Würde. … In der Art (verspielt, vertrauend, verträumt, oder) was der Kombi Wesen auf Erden war.
    Als mein Freund (Buddhisten machen es Einem bezaubernd leicht, dennoch kam es völlig unerwartet) starb, mußte ich ih. erst nochmal sehen, um es und ihn tot zu begreifen.
    Ich habe am gleichen Tag, und in Wochen der Wolke unseres WIR, eine Pflanze gekauft. So klein und süß und unscheinbar. Vielleicht weil ich damit Erdung und Leben an die leere Stelle haben wollte.
    … Ich weiß nur, daß sie blüht, wenn ich uns brauchte. Und bis heute die dankbarste Pflanze in meiner Wohnung ist.
    Als ich auf Reisen zum Grab war, hat mal eben 2 Ableger zur Begrüßung verteilt.

    Vielleicht half der sehr kluge Spruch eines Freundes
    „Nimm seine Seele zu Deiner.“
    … auf allen Wegen.
    Nun trag ich 4 ‚in meiner Brust‘ und Jede bestärkt mich.
    Vielleicht, weil mit dem Tod und dem Sterben vor- oder rückwärts, auch die negativen Seiten gehen – und nur das Gute bleibt. Geh den ganzen Weg.

    In Liebe und Respekt. ❤

  • Max

    28. Januar 2019 at 22:37

    Ein sehr schöner Beitrag. Besonders das Reisen anstatt Sterben hat mich berührt. Vielen Dank dafür, Vidya.

  • Kevin

    28. Januar 2019 at 22:16

    Ich kenne die Erfahrungen mit dem ehrenwerten Gevatter Tod und finde es schön wie respektvoll du mit dieser Wesenheit umgehst.
    Musste auch erst meinen Umgang finden, doch finde die Begegnungen von mal zu mal angenehmer.
    Schön, a Mitfühlende und dies Verstehende im weiteren Umkreis zu wissen.
    Die ersten Begegnungen, diese „schwere“ Energie war angsteinflößend, doch mit meinem Umschwung zum Respekt hin wurde es erträglich bis sogar hin zu beschwingend und lehrend.
    Nicht Angst ist das was bleiben soll, sondern Ehrfurcht.
    Danke!

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